Winterauszeit im Spreewald

  Spreewalddorf Lehde

Spreewalddorf Lehde


LÜBBENAU

Im Kahn mit Glühwein, Gurken & Schmalzstulle dem Spreewaldkrimi auf der Spur...

 


Zu Beginn des Winters folgte ich einer wahnsinnig herzlichen Einladung des Spreewälder Tourismusverbandes, eine meiner Lieblingsregionen in Brandenburg einen Winterbesuch abzustatten. Ein Fahrrad brauchte ich dafür nicht, denn die Region rings um den Spreewald, lässt sich immer noch am besten gemütlich sitzend in einem der berühmten Spreewaldkähne genießen. 

Mit knapp 970km Wasserwegen gehört er zu den faszinierendsten Zielen für Brandenburg-Touristen aus der ganzen Welt und ist eine knappe Stunde von Berlin entfernt. In Lübbenau, dem "Tor zum Spreewald", ist der Kahn mit Fährmann an einem typischen Novembertag bereits abfahrbereit. Eine mollige Winterdecke, ein Fotoalbum mit gesammelten, persönlichen Winterimpressionen sowie eine Thermoskanne mit wärmendem Glühwein sind eingepackt.

Wir legen ab und sind Minuten später von der enstpannten Einsamkeit eines Märchenwaldes umgeben. Während im Sommer unzählige Touristen lärmen und alle Fließe voller Kähne sind, gleiten wir ganz sacht durch eine mystische Nebellandschaft. Diese haben wir jetzt ganz für uns allein. Nur ab und an wird die Stille von unserem sympathischen Fährmann unterbrochen, der in seiner langen Karriere die ein oder andere amüsante Geschichte zu berichten weiß.

Den ersten Kontakt mit einem anderen Kahn haben wir erst in Lehde. Eine kleine Familie mit Hund und Nachwuchs grüßt und stakt vorsichtig in dem sehr engen Kanal an uns vorbei. Mit seinen 130 Einwohnern und der direkten Lage am Wasser gehört Lehde zu den ursprünglichsten und schönsten Dörfern im Spreewald. Selbst die Post wird hier mit dem Kahn ausgefahren. Ich bin so sehr verzaubert, dass ich spontan beschließe, spätestens zum traditionellen Weihnachtsmarkt noch einmal wiederzukommen.

Der Auftakt zur Winterauszeit ist gelungen.


  Spreewälder Klassiker - Schmalzbrot und Gurke

Spreewälder Klassiker - Schmalzbrot und Gurke

  Spreewaldhaus mit Schlangenköpfen

Spreewaldhaus mit Schlangenköpfen

 Winterstimmung in Lehde

Winterstimmung in Lehde

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  Schlosspark Schloss Lübbenau

Schlosspark Schloss Lübbenau


Schloss LübbenAU

Am Rande der malerischen Altstadt ruht das historische Schloss Lübbenau.


Nach soviel frischer Luft und einem kleinen Spaziergang freuen wir uns sehr über den nächsten Programmpunkt. Das Schloss-Restaurant LINARI im Schloss Lübbenau bittet uns in den alten Gemäuern zu Tisch. Wir sind ganz verzaubert vom historischen, stilvollen Ambiente des Restaurants, aus dem wir einen herrlichen Blick in den spätherbstlichen Schlosspark haben. 

 „Unsere Speisekarte schreibt die Natur!“, ist der schlichte Leitgedanke von Küchenmeister Dirk Lehmann. Er kreiert hier eine feine Küche für Genießer und vereint diese mit einer für den Spreewald typischen Gemütlichkeit.

Auf unserer Speisekarte stehen Wild und Zimtparfait - es schmeckt köstlich und es wird sich angeregt vorgestellt, unterhalten und ausgetauscht.

Anschließend bestaunen wir das wunderschöne Schloss Ensemble, zu dem noch Marstall, Orangerie und Kanzlei gehören. Es ist ein Ort mit Geschichte und seit 1621 Sitz der Grafen zu Lynar. Nachdem es 1944 nach dem gescheiterten Hitler-Attentat von den Nazis enteignet worden war, ist es heute wieder in Familienbesitz. Zu gerne würden wir noch länger im warmen Kaminzimmer in den weichen Sesseln versinken bis es wieder Zeit ist für Kaffee und Kuchen.  

Doch wir sind bereits mit der Frau Bürgermeisterin zum shoppen verabredet... 

 

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  Schloß-Restaurant Linari

Schloß-Restaurant Linari

  Marstall Schloss Lübbenau

Marstall Schloss Lübbenau



  Einkaufslädchen Lübbenau

Einkaufslädchen Lübbenau


  Historische Aufnahme / Spreewald Museum

Historische Aufnahme / Spreewald Museum

  Unterwegs im historischen Lübbenau

Unterwegs im historischen Lübbenau


Spreewald Museum

Lebendige Geschichte mit Frau Bürgermeisterin ...


Eine Museumstour der besonderen Art erleben wir kurz darauf im Spreewald Museum in Lübbenau. Neugierig warten wir an der originalen Dampflok 995703 und werfen einen Blick auf die alten Instrumente und Signalampeln. Wir fühlen uns in die alte Welt des Reisens versetzt, als wir in der Holzklasse des Personen- und Packwagens aus dem Jahr 1897 Platz nehmen dürfen...selbstverständlich mit vernetzter Hutablage. Begleitet werden wir dabei von Bürgermeistergattin Lehmann persönlich. Nach der Zugfahrt geht es quer durch die historischen Werkstätten Lübbenaus. Wie man sich denken kann, spaziert die feine Dame auch nach Ladenschluß in die Geschäfte, kramt mit uns in den Schubladen und stellt uns die allerbeste Ware vor. Das Museum gewährt uns auf diese Art einen besonders faszinierenden Einblick in die kleine Spreewaldstadt um die Jahrhundertwende.

Irgendwann verliere ich trotzdem den Anschluss an die Gruppe. Zu faszinierend sind die liebevoll zusammengestellten Dokumente, Fotografien und Trachten. 

  Kolonialwarenladen Spreewald Museum

Kolonialwarenladen Spreewald Museum



  Burger Hofbrennerei

Burger Hofbrennerei

  Besichtigung mit Arno Ballaschk

Besichtigung mit Arno Ballaschk

  Illustrationen Sagengeister   Fred Pötschke / Annette Bricks

Illustrationen Sagengeister Fred Pötschke / Annette Bricks

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SAGEN-GEISTER

Die Burger Hofbrennei im Spreewald verzaubert seit 10 Jahren mit seinen edlen Bränden & Likören.


 

Während ich bereits im Sommer die Spreewood Destillers in Schlepzig kennenlernen durfte, war ich nun besonders gespannt die kleines Brennerei Brandenburgs kennenzulernen. 

Die Burger Hofbrennerei ist ein kleiner Familienbetrieb und stellt ganz besondere Spirituosen & Liköre her. Gründer Arno Ballaschk gibt ihnen den Namen von sorbisch/wendischen Sagenfiguren. Während einer kleinen Führung erhalten wir Einblick in die Produktion. Arno erklärt uns, dass sich um den gekrönten König der Schlangen (sorbisch/wendisch wuźowy kral) viele Sagen ranken. Im Spreewald nämlich, gelten die Schlangen als gute Tiere und Hausgeister. Ist man aufmerksam, kann man ein paar gekreuzte Schlangeköpfe an den Giebeln der traditionellen Spreewälder Blockhäuser erkennen.


Die Sage des Schlangenkönigs
In der Lausitz weilte ein femder Graf aus Italien oder einem anderen der südlichen Länder. Ihm wurde zugetragen, dass es im Spreewald einen Schlangenkönig gäbe, der mit den anderen Schlangen auf der Lichtung spielen und dabei seine Krone ablegen würde. In dem Graf erwachte die Gier und er schmiedete einen Plan, dem Schlangenkönig seine Krone zu rauben. Er suchte lange nach der Lichtung, und fand eines Tages eine Wiese, auf dem Schlangen spielten. Unter ihnen befand sich ein größeres Tier, das einen hellen Streif auf dem Rücken hatte. Das war der Schlangenkönig! Er beobachtete, wie der Schlangenkönig seine Krone auf einen hellen Fleck ablegte, um sie recht gut sehen zu können, während er sich mit den anderen Schlangen in der Sonne tummelte. Die List des Grafen war nun, eines schönen Sommertag zu der besagten Wiese zu reiten und dort ein weißes Tüchlein auszubreiten. Er selbst versteckte sich im Gebüsch. Als dann bald die Schlangen kamen, legte der Schlangenkönig seine Krone auf das hellweiße Tüchlein. Dann spielten sie in der Sonne. Darauf hatte gierige Graf gewartet und fasste das Tuch samt der Krone, um sich aufs Pferd zu schwingen und im Galopp davonzureiten. Sofort jagte eine riesige Schar von Schlangen hinter ihm her. Er trieb dem Pferd die Sporen in die Seiten und ritt, so schnell er nur konnte. Er übersprang einen Graben und eine hohe Mauer, worüber ihm die Schlangen nicht folgen konnten. Mit der Krone war der Graf reich und ließ sich ein Schloss bauen. Zum Dank an den Schlangenkönig nahm er eine gekrönte Schlange als Wappentier.



  Doppelstubenhaus von 1804 in Burg

Doppelstubenhaus von 1804 in Burg


BEI Peter

Mit einem Besuch in der Spreewälder Kräutermanufaktur bleibt kein Auge trocken...


Am zweiten Tag unserer winterlichen Spreewaldreise werden wir vom Spreewaldkoch Peter Franke zu einem Meerrettich Workshop in seiner kleinen Kräutermanufaktur erwartet. 

Ich muss den Kopf einziehen, als ich mit Sabine von geckofootsteps das historische Doppelstubenhaus von 1804 betrete. Drinnen folgen wir sofort von Gemütlichkeit und feinsten Aromen umgeben. Zu Beginn stehen wir mitten in einer rustikalen Speisekammer voller Tee, Öl, Salz, getrocknetem Obst, Kräutern und vielem mehr. Am liebsten möchten wir sofort ein Gläser aufschrauben, Obst naschen und an den vielen Kräuterbunden riechen.

"Hallo, die hübschen Damen" begrüßt uns ein gut gelaunter Peter Franke, dessen Markenzeichen ein Strohhut mit Wiesenblumen ist. Eine Kanne mit Kürbispunsch und mehrere Sorten "Tränen-Bemmen" (Brote mit Meerretichcreme) sind bereits auf einem großen Holztisch angerichtet. Ich komme aus dem Staunen nicht mehr raus und verliere mich in den wunderschönen Details der großen Küche.

Mit Tränen in den Augen probieren wir uns durch die Vorspeise, dreierlei hausgemachtem Meerrettichaufstrich. Peter gibt uns auskunftsfreudig Nachhilfe in Sachen Grippeschutzimpfung ("Kapuzinerkresse mit Meerrettich ist das beste Antibiotikum") und Krebsvorsorge ("Jeder muss Kohl essen. Den Krebszellen mögen keinen Kohl"). Sein Wissen, was in der "Gemüsekammer Deutschlands", dem Spreewald, wächst und wie man es am besten verarbeitet, scheint grenzenlos.

Peter ist gebürtiger Thüringer und gelernter Koch. Seit der Wende lebt er im Brandenburgischen und gehört mit seiner charmanten Art als charmant-eloquenter Spreewaldkoch bekannt. Er hat sich mit der Kräutermanufaktur einen Ort geschaffen, an dem Menschen sich treffen, austauschen, selbst Hände an Töpfe und Schüsseln legen, Kräuter und andere Zutaten sammeln und gemeinsam verarbeiten. 

In den folgenden Stunden wächst getreu Mamas Motto: "Der beste Rat ist der Vorrat", schnell ein ebensolcher mit Merrettich im Glas, getrocknetem Suppengrün, Salbeitee, Essig und gedörrtem Obst auf der Gästebank. Während wir reiben, schnippeln, abfüllen und Gemüse für unser gemeinsames Mittagessen (Tafelspitz in Merettichsoße mit Pfannengemüse sowie einem Kartoffelkloß mit schokoladiger Überraschung) vorbereiten, plaudert Peter nach Herzenslust aus dem Nähkästchen, zb. von seinem Wasabi-Wettstreit mit dem japanischen Botschafter, der die Schärfe des Spreewälder Meerrettichs etwas in Frage stellte. Peters spitzbübisches Grinsen verrät uns, wer den Vergleich am Ende gewonnen hat. In unserer kleinen Runde fühlen wir uns ein bisschen wie Zauberlehrlinge und saugen alles auf was Peter uns serviert.

Es ist ein unglaublicher Besuch, nicht nur kulinarisch. Denn hier geht es nicht ausschließlich ums Ernten, Kochen und gemeinsam genießen. Die Kommunikation zwischen Menschen ist das Salz in der Suppe. "Ich sehe die Kochkunst als eine Einheit aus Menschen, Geschichten und Ritualen", so Peter. 

Uns fällt es wahnsinnig schwer diese genüssliche, grüne Welt und vor allem Onkel Peter wieder zu verlassen. Gehören wir nicht nach diesem besonderen Nachmittag zur Familie? Ein bisschen fühlt es sich so an.

Peters Gastfreundschaft und sein unschlagbar herzlicher Humor haben mein Herz mit Wärme gefüllt. Für viele kalte Wintertage.

 


Programm der Kräutermanufaktur findet Ihr hier!

 

  Spreewaldkoch Peter Franke

Spreewaldkoch Peter Franke

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  Vorratskammer Spreewälder Kräutermanufaktur

Vorratskammer Spreewälder Kräutermanufaktur


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rund um Burg

Ein Wochenende reicht kaum aus, um den winterlichen Spreewald mit all seinen Möglichkeiten zu begreifen. Diese kleinen Spreewälder Geheimtips möchte ich Euch hier aber noch schnell ans Herz legen. 


   Straupitz / Florentiner Eiche:  Wenn auch lange abgestorben, ist die 800 Jahre alte Eiche mit einem Umfang von 8,50m eine der stärksten erhaltenen Eichen im Spreewald /  Mehr Infos hier.

Straupitz / Florentiner Eiche: Wenn auch lange abgestorben, ist die 800 Jahre alte Eiche mit einem Umfang von 8,50m eine der stärksten erhaltenen Eichen im Spreewald / Mehr Infos hier.

   Kornspeicher Straupitz /   ca. 1798 erbaut, heute gefüllt mit antiquarischen Zeitzeugen, eine Töpferei mit Ladengalerie und ein Begegnungsraum mit gemütlicher Kaffee & Kuchenatmosphäre /   Mehr Infos hier.

Kornspeicher Straupitz / ca. 1798 erbaut, heute gefüllt mit antiquarischen Zeitzeugen, eine Töpferei mit Ladengalerie und ein Begegnungsraum mit gemütlicher Kaffee & Kuchenatmosphäre / Mehr Infos hier.

  Holländer Windmühle Straupitz  / Das Europäische Kulturerbe ist die letzte produzierende Dreifachwindmühle Europas mit Mahl-, Öl-und Sägemühle mit bester Leinölproduktion /   Mehr Infos hier!

Holländer Windmühle Straupitz / Das Europäische Kulturerbe ist die letzte produzierende Dreifachwindmühle Europas mit Mahl-, Öl-und Sägemühle mit bester Leinölproduktion / Mehr Infos hier!

  S  alzgrotte   Burg  / Entspannung pur in 45 min / ausgekleidet mit Salzsteinen aus dem Himalaya strahlt die Grotte ein beruhigendes, harmonisches Licht aus, wohltuend bei Allergien und Atembeschwerden /   M    ehr Infos hier.

Salzgrotte Burg / Entspannung pur in 45 min / ausgekleidet mit Salzsteinen aus dem Himalaya strahlt die Grotte ein beruhigendes, harmonisches Licht aus, wohltuend bei Allergien und Atembeschwerden / Mehr Infos hier.

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   Pension Zum Schlangenkönig   /   im Herzen des Spreewalds in Burg gelegen, bietet diese Pension wunderschöne Kamin-Zimmer, einen modernen Wellnessbereich und einer charmante Terrasse am Flussufer /     Mehr Infos hier!

Pension Zum Schlangenkönig /   im Herzen des Spreewalds in Burg gelegen, bietet diese Pension wunderschöne Kamin-Zimmer, einen modernen Wellnessbereich und einer charmante Terrasse am Flussufer /  Mehr Infos hier!

Božemje!    Na zasejwiźenje!   Auf Wiedersehen!


Ich wurde vom Tourismusverband Spreewald zu dieser Reise eingeladen.

Herzlichen Dank an das gesamte Spreewald Team und Partner!

Es war schön, Euch kennenzulernen!

 Der gute Reisende      Geckofootsteps      Helle Flecken

Viermal Fernweh     Wohlfühlkost

 

Dani Pensold4 Comments